Hufrollenerkrankung (Podotrochlose / Navicular)
Podotrochlose
Die Hufrollenerkrankung umfasst degenerative Veränderungen der Hufrolle, dem Zusammenspiel aus Strahlbein, Beugesehne und Schleimbeutel im Huf. Sie ist eine häufige Ursache für chronische Lahmheit der Vorderbeine, besonders bei Warmblütern und Quarter Horses.
Kosten ohne Versicherung
Durchschnitt: 2.000 EUR
OP-Wahrscheinlichkeit
Wie oft die Erkrankung operiert werden muss
Saisonale Häufung
Kein saisonaler Schwerpunkt
Was ist Hufrollenerkrankung (Podotrochlose / Navicular)?
Die Hufrolle ist ein Zusammenspiel aus Strahlbein, dem darüber gleitenden Anteil der tiefen Beugesehne und einem dazwischenliegenden Schleimbeutel im Huf. Bei der Erkrankung verschleißen diese Strukturen, das Strahlbein verändert sich und die Sehne wird gereizt. Das verursacht Schmerzen im hinteren Hufbereich, weshalb das Pferd die Zehe entlastet und auf die Trachten tritt. Typisch ist eine mal mehr, mal weniger deutliche Lahmheit der Vorderbeine, die auf hartem Boden und in engen Wendungen zunimmt. Die Veränderungen sind nicht heilbar, lassen sich mit gutem Beschlag und Management aber lange in Schach halten.
Symptome
- Wechselnde Vorderhandlahmheit
- Trachtenfußung
- Wendeschmerz
- Stolpern
- Verkürzte Schrittlänge
Ursachen
- Ungünstige Hufform, etwa kleine Hufe bei schwerem Körper
- Fehlstellungen und schlechte Hufbalance
- Dauerbelastung auf hartem Boden
- Erbliche Veranlagung, etwa bei Quarter Horse und Warmblut
- Fehlerhafter oder unregelmäßiger Hufbeschlag
- Überlastung durch intensiven Sport
So stellt der Tierarzt die Diagnose
Behandlung: der typische Weg
Konservative Behandlung
Orthopädischer Beschlag (Eisen mit Steg, Natural Balance Shoe), Schmerzmittel, Tildren-Infusion (Bisphosphonat), Stoßwellentherapie.
Operative Behandlung
Neurektomie (Durchtrennung der Nerven zum Hufbereich) als letztes Mittel bei chronischen Fällen.
Nachsorge
Regelmäßiger Hufbeschlag alle 6 bis 8 Wochen, angepasste Bewegung, weicher Untergrund.
Prognose
Mit gutem Hufbeschlag und Management können viele Pferde jahrelang nutzbar bleiben. Eine Heilung ist nicht möglich. Die Neurektomie ist umstritten und eine Entscheidung im Einzelfall.
Besonders betroffene Rassen
Diese Rassen erkranken statistisch häufiger, grundsätzlich kann es aber jedes Pferd treffen.
Vorbeugung
Hufrollenerkrankung ist ein chronisches Thema mit laufenden Kosten für Beschlag und Therapie. Die OP-Versicherung greift bei einer Neurektomie. Die laufenden Kosten fallen unter die Krankenversicherung.
Häufige Fragen
Kann die Hufrollenerkrankung geheilt werden?
Nein, die degenerativen Veränderungen an Strahlbein und Beugesehne lassen sich nicht rückgängig machen. Mit orthopädischem Beschlag, angepasster Bewegung und weichem Untergrund bleiben viele Pferde aber jahrelang reitbar. Wichtig sind ein Hufschmied mit Erfahrung bei Hufrollen-Pferden und ein konsequentes Beschlagsintervall von 6 bis 8 Wochen.
Was kostet die Behandlung der Hufrollenerkrankung?
Die MRT-Diagnostik als Goldstandard kostet 800 bis 1.500 EUR, eine Tildren-Infusion 300 bis 500 EUR. Der größte Posten auf Dauer ist der Spezialbeschlag mit etwa 150 bis 250 EUR alle 6 bis 8 Wochen, der dauerhaft nötig bleibt. Über die Jahre summiert sich die Behandlung damit erheblich, auch wenn nie operiert wird.
Welche Rassen sind besonders betroffen?
Sehr häufig betroffen sind Quarter Horses, bei denen eine erbliche Veranlagung mitspielt, außerdem Hannoveraner, Connemaras und andere Warmblüter. Ungünstig sind kleine Hufe unter einem schweren Körper und dauerhafte Belastung auf hartem Boden. Bei diesen Rassen lohnt es sich, auf korrekte Hufbalance zu achten und wechselnde Vorderhandlahmheiten früh abklären zu lassen.
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